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Vollbesetzte Stadthalle beim Tag der Demenz des Verbunds „Starke Partner – Pflegenetz im Kreis Heinsberg“ mit Hastenrath’s Will – Am Ende wurde der Demenzfächer an alle Zuhörer verteilt 

 

Mit einem solchen Andrang hatte der Verbund „Starke Partner – Pflegenetz im Kreis Heinsberg“ als Organisator des „Tages der Demenz“ nicht gerechnet. Das Interesse an der Veranstaltung anlässlich der Vorstellung des Demenzfächers, der am Ende verteilt wurde, war so groß, dass noch zusätzlich Stühle in der Stadthalle Heinsberg aufgestellt werden mussten.

Dass die Resonanz so gut war, lag auch an der Person Hastenrath’s Will alias Christian Macharski, der als Ortsvorsteher und bekennender „Experte“ das Thema „Demenz“ unter die Lupe nahm und bereits in Stichworten das aufgriff, was der eigentliche Fachreferent Christian Müller-Hergl vom Dialog- und Transferzentrum Demenz der Universität Witten/Herdecke später vertiefte. Doch zunächst begrüßte Gottfried Küppers, Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Region Heinsberg, im Namen des Verbundes die rund 450 Zuhörer und erklärte das Ziel der Veranstaltung. „Mit dem heutigen Abend wollen wir einen kleinen Beitrag zur Unterstützung der Angehörigen leisten“, betonte er. Gleichzeitig wolle man das Thema aus seiner Tabuzone holen, da es bereits heute in Deutschland eine Million demenzkranke Menschen gebe. Im Jahr 2030 seien sogar 1,7 Millionen Menschen betroffen. Deshalb sei ein öffentliches Umdenken nötig. Demenz sei – trotz vieler Verbesserungen –  ein ungelöstes Problem, das unser Mittun verlange, so Küppers. Dann betrat Hastenrath’s Will die Bühne. Er verstand es, sich der Thematik in einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und Comedy anzunehmen. In seinem Vortrag „aus der Hüfte heraus“ war die Rede von der Alterspyramide, die in der Zukunft verkehrt herum steht, von doppelt so vielen Demenzkranken im Jahr 2050 wie heute, von der geringen Wertschätzung für den Pflegeberuf und von der alten Frau Jörissen, die bevor sie ins Altenheim „Haus Gnadenbrot“ kam, mit dem Treppenlift aus der Kurve flog. So kam Hastenrath’s Will schließlich auf den Demenzfächer, den er als Nachschlagewerk bezeichnete, um erste Anzeichen einer Demenz zu erkennen.

 

Dass man in Deutschland am Anfang eines langen Weges sei, um sich der vielen an demenzerkrankten Menschen anzunehmen, dies verdeutlichte Christian Müller-Hergl in seinem Fachvortrag „Demenz für pflegende Angehörige“. Er machte darauf aufmerksam, dass man bei dem heute geltenden „ambulant vor stationär“ schnell an Grenzen stoße. Denn von Demenz Betroffene würden sich auf allen Ebenen der Existenz verändern. Solange die Angehörigen, die zu Dreiviertel zu Hause pflegen, den Erkrankten nicht aus dem Bild entlassen, was sie von ihm kennen, desto eher scheitere der Umgang, sagte er. Christian Müller-Hergl führte weitere kritische Kriterien auf wie geringes Alter, weiblich und viele Pflegestunden am Tag, wo eine häusliche Pflege nicht sinnvoll sei, oft sogar gefährlich werden könne. Hilfen müssten deshalb früher einsetzen, nicht erst, wenn der Haushalt sie einfordere, betonte er. Ambulante Pflege sei nur dann eine Lösung, wenn sie gut abgefedert und unterstützt sei z. B. durch intelligente Pflegemixmodelle, Nachtpflege und bessere Finanzierung, so der Fachreferent. Damit leitete er zu Josef Aretz, Leiter des Katharina Kasper Heims in Gangelt über, der den Demenzfächer als ein Nachschlagewerk bzw. „kleine Hilfe, den Alltag mit demenzkranken Menschen besser zu gestalten“ für pflegende Angehörige, aber auch professionelle Dienstleister vorstellte. Denn ihn ihm finden sich Merkmale der Demenz, Texte zum  Herausfordernden Verhalten sowie Unterstützungsmöglichkeiten. Dass es sich um ein sehr gutes Nachschlagewerk handelt, dies betonten auch im Interview, Petra Mittenzwei vom Demenz-Servicezentrum Regio Aachen/Eifel und Dr. Christian Isensee, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Kreis Heinsberg e.V. und Chefarzt der Klinik für Geriatrie des Hermann-Josef-Krankenhauses Erkelenz. In einfachen Worten würden Probleme einer Demenz angesprochen sowie Hinweise zum Verhalten gegeben, so Dr. Isensee.

 

INFO

Dem Verbund „Starke Partner – Pflegenetz“ im Kreis Heinsberg sind folgende Einrichtungen angeschlossen: Alten- und Pflegeheim Marienkloster in Dremmen, Altenheim St. Josef gGmbH Übach-Palenberg, Caritasverband für die Region Heinsberg, Franziskusheim gGmbH mit den Einrichtungen Franziskusheim und Burg Trips, Katharina Kasper-Heim der Gangelter Einrichtungen Maria Hilf, Lambertus gGmbH in Hückelhoven und St. Josef in Selfkant-Höngen, Waldenrath, Erkelenz, Heinsberg, Oberbruch und Wegberg.

 

BU: Die Referenten und Veranstalter des Tags der Demenz des Verbunds „Starke Partner – Pflegenetz“ im Kreis Heinsberg mit Hastenrath’s Will anlässlich der Vorstellung des Demenzfächers.